Sonntag, 1. Dezember 2013

Die Sache mit dem Blei

Kürzlich habe ich in der englischen Zeitschrift Carpworld einen interessanten Artikel gelesen, welcher mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Obwohl der Autor mit der Firma Pallatrax in Verbindung steht und dieses Unternehmen unter anderem Steine ( bekannt als Stonze ) als natürliche Alternative zu Blei anbietet, ließ ich eventuelle wirtschaftliche Interessen des Autor bei Seite. Er kritisierte in seinen Bericht ganz heftig den schonungslosen und gedankenlosen Umgang mit Blei beim Karpfenangeln. Ein Schuss also eigentlich gegen die klassischen Saftey Rigs, welche das Blei nach dem Biss sehr oft frei geben. Auf diesem Weg landet eine sicherlich nicht zu unterschätzende Menge Blei am Gewässergrund. Ohne hier wissenschaftliche Recherchen anzustellen um herauszufinden, was für Probleme Blei für Umwelt und Mensch verursachen kann, steht unzweifelhaft fest das Blei giftig ist! An dieser Tatsache gibt es nicht zu rütteln!

So und hier sind wir beim eigentlichem Thema. Wir Angler sind Naturliebhaber - zumindest die meisten von uns - wir versuchen die Lebensräume der Fische zu schützen, wollen eine saubere Umwelt und eine gute Wasserqualität. Wir Karpfenangler sind hoch erfreut, wenn unsere Zielfische aufgrund eines gesunden ökologischen Gleichgewichtes viel Naturnahrung in einem intakten Lebensraum vorfinden und dadurch überdurchschnittlich gut wachsen. So soll es sein und so sollte es auch bleiben. Wir tun alles, damit es dem Karpfen gut geht. Wir legen den gefangenen Fisch auf eine dicke Matte, halten ihn nass, damit er die Fotosession gut übersteht und setzen ihn behutsam zurück in sein Element. Aber wie viele von uns ( mich eingeschlossen ) haben sich jemals darüber Gedanken gemacht, wie viel Stück Bleie in einer Saison von einem selbst am Gewässergrund landen? Dabei spielt es wohl keine große Rolle ob die Bleie mit Kunststoff ummantelt sind oder nicht. Denkt einmal darüber nach! Und wir befördern das ganze dorthin, wo unsere Lieblinge und natürlich auch andere Tiere leben! Nicht wirklich vernünftig, oder?

Vor langer Zeit wurden die Saftey Clips zum Wohle der Karpfen erfunden. Ein Fisch soll für den Fall, dass einmal die Schnur abreißt, immer die Chance haben, das Blei loszuwerden, damit er sich nicht in einem Unterwassergeäst verfängt und elend zu Grunde geht. Klingt logisch, viele renommierte Firmen und bekannte Angler haben uns das seit Jahren so vorgelebt. Diese Saftey Clips funktionieren auch und erfüllen genauso ihren Zweck wie auch die kürzlich für Inline Bleie entwickelten Drop Off Systeme. Fängt man aber einmal kritisch an darüber nachzudenken, wie oft denn wirklich derartige Systeme ihre Berechtigung haben könnten, bleiben nicht sehr viele Situationen übrig. Ich verwende Saftey Clips sehr oft bei meiner Standardangelei. Beim Einpacken auch sehr praktisch, weil das Blei rasch zu entfernen ist und Bleigewichte können rasch getauscht und angepasst werden. Darüberhinaus verliert man im Drill das Blei und ist der Meinung, der Hakenhalt ist ohne lästiges Gewicht, welches ständig nach unten zieht, besser gewährleistet. Bei Gewichten ab 180 gr könnte das vielleicht wirklich eine Rolle spielen doch in den meisten Situationen brauchen wir solche Gewichte ohnehin nicht.

Die Frage stellt sich also jetzt für mich, ob wir nicht mit diesen Saftey Rigs über das Ziel hinaus schießen. Einmal ehrlich - wie viele verendete Karpfen mit Haken im Maul habt ihr schon gefunden? Wie viele tote Karpfen habt ihr verheddert in Unterwasserhindernisse entdeckt? Ich bin schon ziemlich lange Karpfenangler, kann mich aber an keinen derartigen Vorfall erinnern. Ich habe zwei mal in meiner Karriere einen Karpfen gefangen, der einen Haken mit einem abgerissen Vorfach im Maul hatte. In vielen Fällen wird der Karpfen ein abgerissenes Rig wieder einmal los, vielleicht dauert es manchmal eine Zeit lang bis ihm das gelingt, jedoch irgendwann ist es so weit.

Was bedeutet nun diese Sache für mich, nachdem ich mir zu diesem Thema schon einiges überlegt habe? Ich stelle mit Sicherheit meine Fischerei ab der nächsten Saison um. Teilweise tat ich das schon in Vergangenheit, doch aus einem anderen Grund. An einem meiner Gewässer wurde mein speziell dafür abgestelltes Rutensetup schon vor 2 Jahren auf Inline Montagen umgestellt. Es nervte mich damals schon, bei einer höheren Bissfrequenz die Bleie zu verlieren obwohl ich das gar nicht wollte. An die Umwelt bzw. ans Gewässer habe ich aber nicht gedacht. Also werden normale Inline Montagen ab dem nächstem Jahr zu meinem Standard gehören und Helikopter Rigs bei Bedarf, wenn weiteres werfen angesagt ist. Die Saftey Clips werde ich nur noch ganz selten verwenden! Wann? Wenn dann nur noch bei massive Krautbewuchs. Sonstige Unterwasserhindernisse sollte man sowieso nur mit einem gewissen Respektabstand beangeln, denn alles andere macht keinen Sinn - egal ob Saftey Clip oder nicht.

Irgendwann bekommen wir wahrscheinlich sowieso ein Bleiverbot von der EU aufgebrummt! Denkt an die Jäger, die dürfen bei der Jagd nach Flugwild in der Nähe von Gewässern seit einiger Zeit kein Bleischrot mehr verwenden. Spätestens dann werden sich die Hersteller etwas anderes einfallen lassen müssen.

Schlussendlich muss jeder selbst wissen was er tut, mir hat jedoch dieser Artikel die Augen geöffnet wie schon lange keiner mehr und ich hoffe, dass ich den einen oder anderen von euch auch zum Nachdenken angeregt habe.

Petri Heil

Andreas Karrer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen