Freitag, 8. Februar 2019

New Generation

Es gibt einen guten Grund weshalb wir unseren Blog kaum noch bearbeiten. In mehr als 30 Jahren spezialisierten Karpfenangeln haben wir einiges erlebt und gesehen. Viele begannen in dieser Zeit mit dem Karpfenangeln und ebenso viele von ihnen hörten damit wieder auf. Das auch manchmal schon nach kurzer Zeit. Schnelle Erfolge mit sehr großen Fischen sind speziell in den letzten Jahren selbst für Einsteiger keine Seltenheit mehr, gibt es doch genug gut besetzte Gewässer mit hochgefütterten Big Fish. Über die sozialen Medien wie Facebook wird der gefangene große Brocken noch VOR dem Fotografieren in die Internetwelt gepostet um dann voller Stolz viele "Daumen hoch" einzusammeln. Klarerweise muss man schon zumindest ein Teamangler sein um die entsprechende  Bewunderung zu bekommen. Das ist extrem wichtig für das Ego, wie gut man doch ist und so am besten Wege scheint vielleicht doch Bekanntheit zu erreichen. Mitreden kann nur der, der 1000ende Facebook Freunde aufzuweisen hat, die man am besten bekommt, wenn schon etwas "geleistet" wurde. 25 kg plus darf es heute schon sein, 30 kg+ ist natürlich noch eine Stufe besser aber wenn es nur 20iger für einen gibt, drängt man sich nicht in den Vordergrund. Und die Möglichkeit auf ein Sponsoring muss noch warten, da hilft es auch nicht, wenn beim Ultraweitwinkel Foto die Finger versteckt werden, um die Trophäe noch etwas mächtiger darzustellen.


Wir haben mit Sicherheit eine ganz andere Einstellung zum Karpfenangeln als viele, die erst ein paar Jahre dabei sind. Diese junge New Generation oder meiner Ansicht nach vielleicht besser die Facebook Generation kann unter Umständen wenig dafür, weil sie nichts anderes vorgelebt bekommen hat. Trotzdem liegt es an jedem Einzelnen, mit welcher Einstellung er an dieses schöne Hobby heran geht. Es wäre auch nicht fair zu behaupten, dass nur jüngere Angler Facebook Junkies sind, nein mit Sicherheit nicht, denn es gibt genug Ältere, man sollte glauben erfahrene Angler, die eben so viel Müll verbreiten und nichts anderes als Selbstdarsteller sind. Im echten Leben haben sie es nicht einmal zu einem vernünftigen Job geschafft. Viele lassen sich von solchen Typen blenden und nur wenige hinterfragen das, denn mit so vielen gefangenen Riesenkarpfen muss man wohl ein Supertyp in der Szene sein. In welchen Gewässern diese gefangen wurden ist völlig sekundär und wird auch nicht erwähnt. Es gibt sowohl im Inland aber speziell im Ausland mittlerweile sehr bekannte und meistens kommerziell geführte Seen, für die mancher bereit ist alles zu zahlen, nur um von dort Riesenkarpfen zu fangen. Das in so einem See ein gefangener kapitaler Karpfen nichts mit fischereilichem Können zu tun hat, ist vielen auch egal. Denn mal ehrlich, wo liegt die Kunst in einem dichtest besetzten Großfischgewässer, die oftmals auch nur ein paar Hektar groß sind, erfolgreich zu sein. Große Karpfen müssen viel fressen und wenn sie in einer so hohen Stückzahl umher schwimmen, wird man sie mit genug Futter ohne große Probleme fangen können. Eine echte Location ist dort auch nicht erforderlich. Futter rein geschüttet und einfach warten. Wir haben in Vergangenheit vor Jahren auch das ein oder andere Gewässer befischt, welches zur damaligen Zeit bekannte Big Fish Seen waren aber im Vergleich zu heute, bezahlten wir noch normale Preise für die Fischereiberechtigung. Aber das ist schon länger her und wir meiden diese Gewässer, weil es neben den verrückten Preisen einfach zu viele Angler gibt, mit denen wir nicht gleichzeitig am Wasser sein wollen.


Viele Firmen im Angelbusiness, die ihre Köder oder ihr Tackle bewerben wollen, stellen das natürlich gerne anders dar. Ihre Teamangler sind einfach so gut und Angler der Extraklasse. Natürlich gibt es Ausnahmen aber im Grunde nach, werden die Teamangler, die nach ein paar Jahren Karpfenangeln ach so viel Erfahrung haben, nur an die jeweilige Firma gebunden um speziell über die sozialen Medien für diese Werbung zu machen. Wir waren einmal bzw sind noch Teamangler aber zu dieser Zeit waren Feedback und konstruktive Kritik noch erlaubt und auch gewünscht. Heute sind aus vielen Teamangler Marionetten geworden, die einfach glücklich sind dabei zu sein und erfreuen sich an etwas günstigeren Preisen für Baits oder Tackle. Das alles passt in die heutige Zeit  und auch beim Karpfenangeln ist das zusätzliche Ausnützen der sozialen Medien aus kommerziellen Gründen daily business. 


Keine Frage, im Zuge der weltweiten Digitalisierung sind soziale Medien wie Facebook,Twitter, Instragram etc heute wichtig und nicht mehr wegzudenken. Jedoch gibt es dadurch auch die Schattenseite. Ich beziehe diese Aussage natürlich lediglich auf unser Hobby und es ist mir ein Graus, wenn mir von diversen Facebook Kommentaren, die oftmals auch bösartig und verletzend sind, erzählt wird. Wie viele, ich sage es einmal vorsichtig, nicht ganz so clevere Menschen es als Karpfenangler gibt, kann ich auch bei Kommentaren von öffentlich zugänglichen Facebookseiten lesen. Inhaltlich geschriebener Schwachsinn gepaart mit Rechtschreibfehlern sind allgegenwärtig.


Da wundere ich mich schon, welche traurige Entwicklung das Karpfenangeln genommen hat und bleibt für uns nur ein Weg. Wir umgeben uns nur noch mit den Anglern, die eine ähnliche Sichtweise und Zugänge zum Karpfenangeln haben und sich nicht über große gefangene Fische persönlich identifizieren müssen, um als Mensch einen Wert zu haben. Dieser Kreis an Personen ist klein geworden, dafür aber umso wertvoller.


Als wir vor ein paar Jahren mit unserem Blog begonnen haben, war das Rundherum um das Karpfenangeln für uns noch recht vernünftig und wir haben gerne ein paar von unseren Erfahrungen im Internet für Interessierte geteilt. Doch die Entwicklung hat gezeigt, dass uns die Begeisterung und in vielen Fällen auch das Verständnis für die Art und Weise wie sich heutzutage das Karpfenangeln darstellt fehlt und es keinen vernünftigen Grund mehr gibt, diesen Blog weiter zu führen.


Der Minderheit von Karpfenanglern, die ähnlich denken wie wir, wünschen wir soweit es möglich ist, angenehme und genussvolle Stunden am Wasser.




Andreas Karrer und Jürgen Weisz